Kurt Hoyler erinnert sich noch genau an seine erste eigene Baustelle als Gerüstbauer. Endlich durfte er selbst planen, organisieren und die Umsetzung verantworten. Doch die Sache lief anders als gedacht. Die Höhe des Gerüsts stimmte nicht. Es war zu hoch gebaut worden, sodass die nachfolgenden Gewerke ihre Arbeiten nicht ausführen konnten.
„Das hast du verbockt, also musst du es auch wieder ausbessern“ bekam er damals zu hören. Klar und direkt, aber nicht als Vorwurf, sondern als Aufforderung, die Verantwortung zu übernehmen. Und genau das tat er: Das Gerüst musste komplett wieder abgebaut und neu aufgestellt werden. Rückblickend war es nicht nur ein Fehler, sondern eine wichtige Erfahrung. Er habe daraus gelernt, Dinge doppelt zu prüfen, Entscheidungen bewusst zu treffen und sich auch dann zu kümmern, wenn etwas schiefläuft.
Solche Momente bleiben nicht aus, wenn man sich weiterentwickeln will. Gerade im Gerüstbau, wo viele Abläufe ineinandergreifen und Fehler schnell sichtbar werden, ist Aufmerksamkeit entscheidend. Hoyler hat sich davon nicht entmutigen lassen. „Man macht dann einfach weniger Fehler. Man denkt mehr nach. Und man probiert es weiter.“ Die Situation auf dieser Baustelle hat sich seitdem nicht wiederholt.
Besonders wichtig war ihm, dass er im Unternehmen nicht allein gelassen wurde. Der Fehler wurde ernst genommen, aber niemand stellte ihn infrage. Der Chef stand immer hinter ihm, das Team arbeitete gemeinsam an der Lösung. Für ihn war das einer der Gründe, dem Beruf treu zu bleiben.
Heute ist er geprüfter Gerüstbau-Monteur und arbeitet bereits auf das nächste Ziel hin. In zwei Jahren möchte er Kolonnenführer werden. Dass sein Weg dorthin nicht nur aus Erfolgsmomenten besteht, gehört für ihn dazu. Für ihn ist klar: Wer im Gerüstbau Verantwortung übernehmen will, muss auch bereit sein, Fehler zu machen und daraus zu lernen.
Gerade im Handwerk ist dieser Weg typisch. Es geht nicht um Perfektion von Anfang an, sondern um Entwicklung, Erfahrung und den Mut, sich Aufgaben zuzutrauen. Rund um den Tag des Handwerks im September zeigt sich: Ohne Menschen wie Kurt Hoyler, die anpacken, reflektieren und weiterkommen wollen und die Menschen, die Sie auf ihrem Weg anleiten und motivieren, geht es im Handwerk nicht.

